DER LETZTE SATSANG DES MEISTERS AM 15. AUGUST 1974

 

Der Meister spricht über die Unabhängigkeit

 

  Heute ist für unser Land der Tag der Unabhängigkeit. Diese Unabhängigkeit wurde nach einhundert Jahren erlangt. Das ist gut; die Menschen versuchen die Unabhängigkeit zu erreichen - einige sind dafür, andere sind dagegen. Aber wir sind nicht zu sehr an diesen Dingen interessiert. Wir sind hauptsächlich mit unserer eigenen Unabhängigkeit beschäftigt; und wir sind - nach Äonen von Jahren, seidtdem die Welt begann, immer noch aus unserer Heimat verbannt, vom Heimatland vertrieben, nicht wahr? Wir befinden uns noch in der Knechtschaft. Die goldene Gelegenheit wurde uns von Zeit zu Zeit gewährt, um diese Unabhängigkeit wiederzugewinnen, aber unglücklicherweise haben wir aus dem einen oder anderen Grund nicht den vollen Nutzen aus unserem Menschenkörper gezogen. Laßt die Vergangenheit ihre Toten begraben: wieder hat euch Gott die goldene Gelegenheit des menschlichen Körpers gegeben, so daß ihr eure Unabhängigkeit zurückgewinnen könnt, Jetzt müssen wir sehen, inwieweit wir unsere Unabhängigkeit erworben haben.

 

  Ich habe gerade gesagt, daß diese Knechtschaft vor Äonen begann, als wir in die Welt geschickt wurden. Die erste Knechtschaft war die des Gemüts. Wir sind dem Gemüt untertan. Das Gemüt steht unter der Herrschaft der nach außen gehenden Kräfte: Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Berühren. Durch diese feinstofflichen Organe (Indriyas) sind wir an die neun Öffnungen des menschlichen Körpers gefesselt; wir können uns selbst nicht befreien.

 

  Wir sind mit dem Körper und der äußeren Welt so sehr identifiziert, daß wir uns nicht selbst davon lösen können. Glücklicherweise gibt es einen Weg heraus! Und der liegt in uns. Neun Tore sind geöffnet: zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, der Mund und zwei unten - neun Tore. Es gibt eine zehnte Tür. Sie ist in euch, verborgen in euch, und sie geht auf, wenn ihr tief in die Dunkelheit eures Körpers vordringt: wenn ihr das Schützenloch eures Kopfes betretet, versteht ihr? Wo beginnt dies? Genau wie zur Zeit des Todes wird unsere Seele von außen zurückgezogen, dann werden die hinausfließenden Kräfte, die neun Tore, zurückgezogen, herausgezogen. Diese physischen, nach außen gehenden Kräfte verlassen uns. Sie gelangen hinter die Augen, und dort beginnt der Weg zum Schützenloch des Kopfes oder zum zehnten Tor. Dies ist das Tor, an welchem ihr anklopfen müßt und das sich euch öffnen wird. Es ist natürlich dort auf der anderen Seite, wo die Meisterkraft auf euch wartet. Wozu? Um das Abendmahl mit euch zu nehmen. Und ihr seid draußen!

 

  Es beginnt hinter den Augen. Alles ist stockdunkel. Dies ist der Weg zum Schützenloch des Kopfes. Es ist die einzige Möglichkeit, eure Unabhängigkeit zu erlangen; erst vom physischen Körper und den physischen, nach außen gehenden Kräften, und dann vom kausalen Körper und den kausalen, nach außen gehendenn Kräften. So sind dies die die Hüllen, durch die wir gebunden sind. Wenn ihr euch über dies drei erheben könntet, würdet ihr eue Unabhängigkeit haben. Deshalb müssen wir uns über die neun Tore des Körpers erheben. Der Weg liegt in euch.

 

  Ihr seid Menschen, geboren als Mensch mit denselben Vorrechten von Gott. Keiner ist hoch, keiner niedrig; es gibt keinen Osten und keinen Westen. Ihr seid bewußte Wesenheiten, die von Gemüt und Materie und den nach außen gehenden Kräften umgeben sind; und ihr seid mit der Materie so sehr identifiziert, daß ihr euch selbst nicht erkennen könnt. Wenn ihr euren Arm drückt, spürt ihr es. So müßt ihr eure Aufmerksamkeit vom Körper, von den außen gehenden Kräften, den neun Toren, zurückziehen. Wie? Wenn ihr nach innen seht, dann schaut in euch hinein in die Mitte der Dunkelheit, die vor euch liegt. Dort wird sich, wenn diese physischen Augen geschlossen sind, das innere Auge, Einzelauge oder dritte Auge öffnen, um das Licht im Innern zu sehen. Ihr könnt innen sehen. Die dichte Dunkelheit des Körpers ist abgeworfen. Wenn ihr davon ablaßt, nach außen zu hören, beginnt ihr im Innern zu hören, in euch. Der Spielmann, unser gepriesener Gott, läßt immerzu Musik erklingen. Dafür ist nichts zu zahlen, kein Geld wird verlangt. Er wartet immer auf euch, damit ihr die Musik hört, die in euch erklingt. Wenn man außen nichts mehr riecht, wird man innen einen jasminartigen Duft wahrnehmen. Ihr werdet dies nur haben, wenn ihr euch über den physischen Körper erhebt, nicht eher. Wenn ihr euch von Geschmackswahrnehmungen im Äußeren zurückzieht, versucht im Innern das Elixier von Naam zu kosten, das Brot und Wasser des Lebens. Wenn ihr mit der tönenden Strahlung innen in Verbindung kommt (der verbindung, die Gott in euch ist), werdet ihr von der physischen Knechtschaft befreit. Aber dies ist noch nicht völlige Unabhängigkeit; es ist der erste Teil der Unabhängigkeit. Der zweite Teil wird beginnen, wenn ihr euch über den astralen Körper und die astralen nach außen gehenden Kräfte erhebt. Danach der dritte Teil, wenn ihr euch wiederum über den kausalen Körper erhebt. Übersteigt sie, dann werdet ihr wirklich eure Unabhängigkeit erlangen. Jetzt seid ihr alle in Knechtschaft.

 

  Die einzige Schwierigkeit ist die, welche in euch liegt. Zuerst ist das Licht dunkel - stockdunkel. Wenn ihr die physischen Augen schließt, funktionieren sie nicht. Aus diesem Grund muß das innere Auge geöffnet werden. Das Einzelauge wird von jemandem göffnet werden, dessen inneres Auge geöffnet ist. Wie? Richtet eure Aufmerksamkeit auf die Dunkelheit in euch, in die Mitte davon. Schaut mit voller Aufmerksamkeit, ganz genau, durchdringend, um herauszufinden, was dort ist. Licht wird hervorbrechen; euer Auge ist geöffnet: „Wenn dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib licht sein.“ Das ist der erste Teil. Der zweite Teil ist seine Gegenwart; und danach im dritten Tiel habt ihr eure vollständige Unabhängigkeit erlangt. So ist heute auch für das Land der Unabhängigkeitstag, aber für uns war es ein Tag der Unabhängigkeit im menschlichen Körper.

 

  Eine unserer Schwierigkeiten ist, daß wir unsere Aufmerksamkeit nicht von allem Äußeren zurückziehen können. Unsere Aufmerksamkeit ist so sehr mit der Welt identifiziert, daß wir unser eigenes Selbst vergessen haben. Es sollte jemand da sein, der uns einen Auftrieb gibt, der uns emporhebt. Hunderte mögen zur Meditation sitzen und sich von außen zurückziehen. Dieser Teil davon wird vom Meister getan. Es ist der erste Schritt. Im menschlichen Körper mögt ihr jeder beliebigen Gemeinschaft angehören; aber auf diesem Gebiet braucht ihr jemand, der euch einen Beweis geben kann, wie ihr eure Aufmerksamkeit von allem Äußeren zurückzieht und eure nach außen gehenden Kräfte nach eurem Willen und Wohlgefallen lenkt. Wir werden so sehr nach außen gezogen - nun, dies ist keine Unabhängigkeit.

 

  Dies ist die Hilfe, die von Gott oben gegeben wird. Er wohnt in jedem Herzen. Er offenbart sich hier und dort: solche Seelen werden gesandt, um die in den Kinderschuhen steckende Menschheit zu Gott zurückzuführen. Das ist Gottes Gnade. Er gibt uns vollkommene Unabhängigkeit. Unglückseligerweise wurde euch der erste Schritt gegeben, aber ihr seid nicht weitergekommen. Ist es euch gelungen? Beeinflussen euch jetzt die nach außen gehenden Kräfte? Ja oder Nein? Zieht euch von außen zurück, dann ist es gut. Gegenwärtig können euch äußere Dinge anziehen. Nur wenn eure Aufmerksamkeit von allem Äußeren zurückgezogen ist und ihr euch selbst vergeßt, werden euch die äußeren Dinge nicht anziehen. Es ist ein lebloser Körper bis hierher (dem Augenbrennpunkt) - alle nach außen gehenden Kräfte gehen bis hierher, Augen, Ohren usw. Solange man sich in diesem verwirrenden Bereich befindet, wird man immer nach außen gezogen. Es gibt einen Weg: das zehnte Tor in euch. Dazu wird jemand gebraucht, der euch eine Auftrieb geben kann. Durch regelmäßige Praxis werdet ihr bewandert. Den Beweis davon bekommt ihr vom Meister, dann werdet ihr euch nach eurem Willen und Wohlgefallen erheben. Eure Augen mögen offen sein, aber ihr seht nichts. Ihr mögt so völlig vertieft sein, daß ihr, selbst wenn euch jemand ruft, es nicht hört. Wenn ihr diese Art von Unabhängigkeit nach eurem Willen und Wohlgefallen erreicht habt, werdet ihr ein Gurmukh genannt. Dies wird euer erster Schritt der Unabhängigkeit sein.

 

  Wir haben noch nicht die volle Unabhängigkeit erworben. Ihr seid es, die diese Unabhängigkeit erreichen müßt: nicht euer Körper, nicht eure nach außen gehenden Kräfte. Darum sagen die Meister: „Mensch, erkenne dich selbst.“ Ihr müßt diese Unabhängigkeit erlagen. Und durch den Meister wird euch weiter Führung in euch gegeben. Er leitet euch außen; er führt euch auch innen. Ihr seid nie allein. Wenn er euch in dieses Mysterium einführt, wohnt er ein für allemal in euch - er verläßt euch nie, bis zum Ende der Welt. Keine Stärke seitens irgendeiner Macht kann euch von ihm wegbringen. Und darüberhinaus war es von Geburt an vorherbestimmt. Durch das gute Geschick der Vergangenheit habt ihr dies wirklich verdient. Wenn ihr euch vollkommen zurückgezogen habt, könnt ihr auch in euch unter der direkten Führung des Meisters fortschreiten. Aber ihr könnt es nicht, wenn ihr euch nicht erst zurückzieht. Ihr müßt das zuerst erreichen.

 

  Para Vidya ist somit der Weg zur vollständigen Unabhängigkeit ... Ich bin der Herr meines ganzen Körpers. Wie viele Diener habt ihr erhalten? Zehn Diener, zum euch zu gehorchen. Sie richten sich nach meinen Weisungen; gegenwärtig werden wir durch diese Diener umhergezerrt. Entschließt euch zu Füßen des Meistes zur Unabhängigkeit. Zieht eure Aufmerksamkeit von außen zurück, dann öffnet sich euer inneres Auge und euer inneres Ohr. Jetzt sind nur die nach außen gehenden Kräfte offen.

 

  Wie viele hier wurden auf den Weg gestellt? Hat jemand von euch einmal eine Stufe, einen der Schätze der Unabhängigkeit überschritten? Nein? Seid heiter, freut euch. Wann? Nachdem ihr wenigstens einen Tiel der Unabhängigkeit erreicht habt, wird die ganze Welt mit euch tanzen, versteht ihr? Lernt zu sterben, damit ihr zu leben beginnen könnt. Dies ist gemeint mit „zweimal geboren“. Ihr müßt wiedergeboren werden im Namen Gottes, der in euch ist. Dieser Beweis, wiedergeboren zu werden, wird von einer kompetenten Person gegeben. Nehmt das Kreuz Christi täglich auf euch, versteht ihr? Christus sagte: „Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ Wie weit seid ihr gekommen?

 

  Heute ist der 15. August. In der Stadt wurden die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag begangen. Ihr werdet im Fernsehen die große Menge erlebt haben, als die Ansprache gehalten wurde. Dies hier ist der Satsang. Hier vermeide ich die Feierlichkeiten und sage euch, wo eure wahre Heimat liegt. Erreicht wenigstens den ersten Teil; dann erklärt eure Unabhängigkeit. Wie viele gibt es, die den zweiten Teil der Unabhängigkeit überschritten haben? Hände hoch, bitte! Es sind sehr wenige. Wo ein Wille ist, gibt es einen Weg.

 

  Erlangt die vollständige Unabhängigkeit. Um damit zu beginnen, müßt ihr den ersten Teil der Unabhängigkeit haben. Und dies bedeutet das Übersteigen des Körperbewußtseins (physisch). Wir sollten unser äußerstes versuchen, diesen spirituellen Weg wiederzugewinnen, während wir in diesem irdischen Körper sind. Es ist die goldene Gelegenheit. Die Zeit und die Flut warten auf niemand. Diejenigen, welche die vollständige Unabhängigkeit wollen, mögen die Hände hochheben. - Da ist jemand, der sie nicht will. (Lachen.) Durch Verzögerung wird dann die Zeit vergeudet. So sagen die Veden. Verzögerung heißt, etwas auf morgen verschieben, was man heute tun kann. Dies steht im Weg. Beginnt eure Reise vom Haus ab, geht nach draußen und erreicht das Ziel. Sterbt auf dem Weg - nicht an eurer Tür! - oder an der Tür, die ihr erreichen müßt.

 

  Wenn ihr den ersten Teil der Unabhängigkeit erlangt habt, werden die Menschen zu euch kommen. Wenn ihr den dritten Teil der Unabhängigkeit erringt, wird die ganze Welt hinter euch sein, versteht ihr? Sagt euch dies zu? Was hindert euch? So legt eure Gewohnheit des Aufschiebens ab. Es tut mir leid, daß ihr diesen Morgen warten mußtet; aber dankt Gott, es ist in euch. Eben wurde euch der Weg erklärt. So versucht ihn zu verstehen nd gelangt zu dieser Unabhängigkeit, die euch im menschlichen Körper erwartet. Nun gut - Gott segne euch!

 

 

Eindrücke eines Schülers

 

von Shipp Webb

 

  Durch die Gnade des Meisters war ich im Juli und August 1974 in Indien. Während die Tage meines Aufenthalts vergingen, wußte ich, daß die Zeit dort rückblickend sehr bedeutsam für mich sein würde. Erst am 21. August drängte sich mir die Bedeutung dieser Erinnerungen mit Nachdruck auf. Während der verwirrenden Ereignisse jener Nacht zeigte sich meine Unfähigkeit, aus all dem, was der Meister gewährte, vollen Nutzen zu ziehen. „Aufschub ist der Dieb der Zeit“ - daran dachte ich immer wieder. Wenn ich nicht durch Fahrten nach Delhi, andere Satsangs und andere Dinge abgelenk worden wäre, würde ich vielleicht die physische Trennung nicht so stark empfinden.

  Wenn ich auf die sechs Wochen, die ich in der Gegenwart des Meisters verbrachte, zurückblicke, scheint es völlig klar, daß er uns sanft auf das, was kommen sollte, vorbereitete. Bei vielen Gesprächen und Darshans betonte der Meister immer wieder die Notwendigkeit, unabhängig zu sein. Erst als der Meister den Körper verlassen hatte, wurde mir die volle Bedeutung dieser Worte bewußt.

  Meine erste deutliche Erinnerung daran, daß der Meister die Unabhängigkeit betonte, wie er auf eine Frage antwortete, die ich bei einem Darshan anschnitt. Ich war drei Tage krank gewesen, und obwohl ich mich physisch wohl fühlte, weigerte sich mein Gemüt gänzlich, in der Meditation ruhig zu sein. Ich begann meine Frage mit: „Meister, ich war letzte Woche krank ...“ Der Meister unterbrach mich schnell.

  „Nicht Sie waren krank, Ihr Körper war krank.“ Er sagte dies mit eine wundervollen Mischung aus Festigkeit und guter Stimmung und wir lachten alle. Ich brachte meine Frage nochmals zum Ausdruck („Mein Körper ist krank gewesen“) und berichtete dem Meister von meinen Schwierigkeiten bei der Meditaion. Er antwortete: „Gott gibt uns große Gelegenheiten.“ Dann erzählte er die Geschichte, wie er, selbst als er noch nicht initiiert war, eine Fieberperiode zur fortwährenden Meditation benutzt hatte. Ich fühlte mich sehr klein, als ich die Dauer meiner Krankheit mit der seinen verglich - er hatte sechs Monate ständig Fieber gehabt, während ich nur drei Tage lang krank gewesen war.

  In meinem Zimmer erkannte ich nach diesem Darshan bald, daß der Meister beseitigt hatte, was auch immer meine Meditation behinderte. Mein Gemüt war im Vergleich zu vorher gefügig. Ich merkte auch, daß er mir eine tiefe Einsicht in den Unterschied zwischen Körper und Seele gegeben hatte. Diese Nacht fühlte ich mich durch die Energie, die er mir übertragen hatte, sehr kraftvoll. Ich sah so deutlich, wieviel Arbeit mit dem Weg zusammenhing, erkannte aber auch, daß es möglich war, erfolgreich zu sein - seine strahlende Gegenwart war der Beweis dafür. Ich mußte mich über die Veränderungen, die mein Körper durchmachte, erheben; ich muß von ihnen unabhängig sein.

  Ein anderes Mal sprach der Meister am Vortag des Unabhängigkeitstages in Indien (am 15. August) vom Wert der Unabhängigkeit. Ein Schüler aus dem Westen, der im Ashram lebte, bat um die Erlaubnis, einer Rede Indira Gandhis beizuwohnen. Der Meister wurde sehr lebhaft und richtete sich in seinem Stuhl auf. Indem er sich vorbeugte und die ganze Gruppe mit kraftvollem Blick überschaute, sagte er: „Ich wünsche, daß jeder unabhängig wird.“ Er fuhr fort zu erklären, daß dies bedeutet, von der äußeren Umgebung und den nach außen gehenden Kräften immer weniger abhängig zu sein.

  Am 15. August gab es einen besonderen Satsang, um diesen Festtag zu feiern. Es wurde in einem anderen Teil des Ashramgeländes als sonst gehalten - unter einigen Bäumen neben dem Haus des Meisters. Niemand hatte den Zeitpunkt des Satsangs angekündigt, außer daß er morgens stattfinden würde, und so ging ich, um es herauszufinden. Ich stellte fest, daß der Meister gleich herauskommen würde und setzte mich dort hin, wo ich stand, und das war in der ersten Reihe der Leute, aber noch ziemllich weit von der niedrigen Plattform entfernt. Als der Meister herauskam, ließ er die Plattform nach vorne stellen, und ich befand mich direkt vor ihm, nur etwa 60 cm weit weg.

  Seine Rede war eine genaue Darlegung seier Bemerkung vom Abend davor: wir sollten alle unabhängig sein. Abhängig zu sein, wäre ein schlimmes Verbrechen. Es gibt, sagte er, drei Stufen der Unabhängigkeit: auf der physischen Ebene, der Astralebene und der Kausalebene. Er bat um Handzeichen: wie viele sind von der physischen, der astralen, der kausalen Ebene unabhängig? Ich erinnere mich, daß ich damals durch die Kraft und Eindringlichkeit, mit der er über dieses Theam sprach, sehr beeindruckt war.

  Wie ich nun buchstäblich zu den Füßen des Meisters saß, kämpfte ich darum, von einem Teil der physischen Ebenen  unabhängig zu sein. Die Bäume über uns waren voller Vögel, und das, was sie fallen ließen, fiel auf meine weißen Kleider herab. Ich versuchte meine Aufmerksamkeit auf die geladenen Augen und das Antlitz des Meisters gerichtet zu halten, sah aber ab und zu auf meine Kleider hinunter. Ich dachte mir, daß mir das in Amerika nicht geschehen könnte, ich schaute wieder hinauf zum Meister und wurde gewahr, daß er mich aufmerksam ansah. Blitzartig kam mir die Geschichte von Kabir und dem König in den Sinn, der der Initiation für würdig gehalten wurde, als er „O Gott, ich bin schlechter als das“ sagte, als Kabirs Frau einen Eimer mit Unrat der Nacht über seine Kopf schüttete. Ich erkannte schnell, wie sehr ich meinem Körper verhaftet und wie weit ich selbst von der ersten Stufe der Unabhängigkeit entfernt war. Der Meister sah mich mehrere Male an - er kannte natürlich meine Gedanken.

  Obwohl der Meister immer wieder die Notwendigkeit hervorhob, fähig zu sein, sich über die phyisische Umgebung zu erheben, trat er nie für ein asketisches Zurückziehen ein. Eines Vormittags, als ich mehrere Stunden vor Mittag meditiert hatte, ging ich über den Hof des Ashrams und war von der vibrierenden Schönheit all dessen betroffen. Obwohl ich viele Male dortgewesen war, schien es ganz neu. Ich fühlte mich innerlich so voller Frieden und Harmonie. An diesem Abend fragte der Meister plötzlich uns alle: „Wird die Welt für euch schön? Meldet euch!“ Dann sah er mich an, und ich wurde so von seinem absoluten Wissen über uns und durch die Liebe, die sich aus seinen Augen ergoß, überwältigt, daß ich meine Hand nicht hochheben konnte. Es schien lächerlich zu sein, ihm etwas zu sagen, daß er schon wußte, und auch die innere Verständigung herabzuwürdigen, die zustandegekommen war.

  Ich war sehr traurig und bewegt, als er seinen Körper verließ. Aber das war nur vorübergehend. Ich kam in Amerika freudig und heiter an. Ich hatte so deutlich gesehen, daß der Meister nicht der Körper war und daß es vielleicht ein schlimmes Verbrechen war, von diesem Körper abhängig zu sein. Die Botschaft des Meisters jener letzten Tage war für mich klar: wir müssen von allen äußeren Dingen unabhängig sein und uns bemühen, ihn innen zu finden. Ich denke oft daran, daß die letzten Worte, die ich den Meister sagen hörte (beim letzten Darshan) lauteten: „Geht frohen Mutes alle Probleme an.“